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Fatio-Mähli E. E. Zunft zum Goldenen Stern

Die meisten Zünfte führen ausserhalb des jährlichen Zunftanlasses bzw. der jährlichen Zunftfahrt regelmässig Vorgesetzten-Mähli durch. Diese erlauben es in einem festlichen Rahmen interessante Persönlichkeiten kennen zu lernen und den Vorgesetzten jeweils persönliche Gäste einzuladen. Oftmals wird ein Teil des Mählis durch ein Legat finanziert. Obwohl ein solches Legat bei der E. Zunft zum Goldenen Stern nicht vorhanden ist, hat sich der Vorstand im Jahre 2004 Gedanken zu einem Vorgesetzten-Mähli gemacht. Dieses soll, ergänzend zu dem jährlich stattfindenden Wäbere-Mähli, an dem sich die Vorgesetzten der E. Zünfte zu Webern und zum Goldenen Stern nach einem kulturellen Auftakt zum gemeinsamen Mahl zusammen finden, und dem seit 2007 alle drei Jahre stattfindenden Vorgesetzten-Mahl mit dem Vorstand E. E. Zunft zum Himmel (früher alle fünf Jahre), eine Möglichkeit für erweiterte Zunftbekanntschaften bieten.

Die eingebrachte Idee, dass pro aktiven Vorgesetzten ein persönlicher Gast sowie zusätzlich 2 bis 3 Ehrengäste der Zunft zu einem speziellen resp. gediegenen Anlass eingeladen werden, wurde positiv aufgenommen und weiter verfolgt. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass die Möglichkeit persönlicher Gäste an der Zunftfahrt vollumfänglich wegfällt, sodass die durch die Zunft eingeladenen Ehrengäste und Gäste optimal betreut werden können.

Im Weiteren wurde festgelegt, dass für das Mähli vorgängig jeweils ein spezielles Motto festgelegt wird, das im weitesten Sinne mit Basel zu tun hat. Die Ehrengäste müssen einen Bezug zum Motto haben.

Als Durchführungsort des Mählis wurde das Bürgerliche Waisenhaus auserkoren. Die historische Zscheckenbürlin-Stube für den Apéro und eine andere geeignete Räumlichkeit für das Mähli bieten sowohl eine interessante als auch festliche Atmosphäre.

Für die Namensgebung des Mählis wurde eine bekannte Zunftpersönlichkeit, möglichst aus dem Bereich Medizin gesucht. Rasch kam Johannes Fatio, ein sehr erfolgreicher und beliebter Basler Chirurg und Geburtshelfer im 17. Jahrhundert, ins Gespräch.

Aufgrund seines sehr engagierten und fortschrittlichen Wirkens, auch wenn er infolge Rebellion gegen die Obrigkeit zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz enthauptet wurde, gedenken Meister und Vorgesetzte E. E. Zunft zum Goldenen Stern mit dem «Fatio-Mähli» ihres bisher sowohl auf dem medizinischen wie auch dem politischen Parkett bekanntesten Zunftbruders, des Arztes und Rebells Johannes Fatio.

Nachstehend ein paar Angaben zu Johannes Fatio in Kurzfassung:

* 14.6.1649 Basel, † 28.9.1691 Basel, Zunftannahme 1672, Erwerb des Doktortitels an der Universität von Valence. Er verfasste 1690 die «Helvetische-Vernünftige Wehe-Mutter», ein für seine Zeit fortschrittliches Werk, das zahlreiche Fälle aus Fatios Praxis verarbeitete. In den politischen Unruhen von 1691 löste Johannes Fatio seinen Vetter Jakob Henricpetri Ende Februar als Führer der Ausschüsse ab, die er bis zum Sommer 1691 erfolgreich vertrat. Nach der Spaltung der Aufstandsbewegung gegen die Obrigkeit wurde Johannes Fatio – zusammen mit Johannes Müller und seinem Schwager Hans Konrad Mosis – als Rädelsführer zum Tod verurteilt. Das Basler Ancien Régime rächte sich für die Rebellion der Bürgerschaft und liess Johannes Fatio und seine beiden Schicksalsgenossen auf dem Marktplatz unter den gut besetzten Fenstern des Rathauses köpfen.

Die Finanzierung des Mähli geht vollumfänglich zu Lasten der Vorgesetzten. Diese Regelung gilt so lange, bis ein Legat die Finanzierung des Anlasses erlaubt.

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